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Geschrieben von IM Matthias Fink   

UNIVERSITÄT HOHENHEIM

LANDESANSTALT FÜR BIENENKUNDE IN STUTTGARD 

Bearbeiter: Dr.Klaus Wallner                             

Universität Hohenheim, 70593 Stuttgard,( Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst )

Pro und Contra zur Frage der Anwendung von ätherischen Ölen zur Varroabekämpfung 

Ätherische Öle, und hier in erster Linie das Thymol, werden seit etwa 1990 in Ländern der EU zur Bekämpfung der Varroamilbe in Bienenvölkern mit Brut (Spätsommer) erfolgreich eingesetzt. In der EU-Ökoverordnung für die Imkerei L222/99s sind folgende ätherische Wirkstoffe gelistet: Thymianöl, Eucalyptol, Menthol und Kampfer. In allen Ländern der EU sind Präparate auf der Basis von Thymol gegen Varroose gelistet oder werden toleriert.

Neben den speziell für die Anwendung in der Imkerei entwickelten Präparate (Api-Life VAR, Apiguard, Thymovar) wird Thymol in Kristallform auch in „selbstgestrickten“ Varianten eingesetzt. Zum Einsatz kommen Thymolrähmchen, die von April bis Oktober in den Völkern sind, oder Thymol getränkte Schwammtücher bzw. reine Kristalle die auf die Rähmchenoberträger gestreut werden.

Diese „selbstgestrickten“ Varianten und hier in erster Linie die Thymolrähmchen, haben das Image der ätherischen Öle negativ beeinflusst.  Im Honig wurden Rückstände von Thymol bis an sensorisch erkennbare Größenordnungen , also im Bereich über 1500 ppb gefunden. Im Bienenwachs gingen die Gehalte durch die Anwendung von Thymolrähmchen bis in den hohen ppb-Bereich. Der monatelange Einsatz von Thymolrähmchen kann sowohl aus Sicht einer sachgerechten Varroabekämpfung (Anwendungen von Thymol im Frühjahr sind unnötig - Gefahr der Resistenzbildung durch die sublethale Dosierung), wie auch der  Qualitätssicherung für Bienenprodukte (Einsatz während der Honigproduktion) nicht toleriert werden. Keines der bienenwissenschaftlichen Institute unterstützt daher diese Form der Thymolanwendung. Aufgrund der hohen Rückstandsmengen in Honig und Wachs können Thymolrähmchen-Imker sicher identifiziert werden.

Die Anwendung der speziell für die Varroabekämpfung entwickelten Präparate, die nach der Honigernte zum Einsatz kommen muß daher getrennt von den oben genannten Varianten betrachtet werden.

 Image

Bekämpfungserfolg/Wirkungsgrad:

Zur Wirksamkeit der ätherischen Öle gegenüber der Varroamilbe liegen eine Vielzahl von Studien vor. Einheitlicher Tenor aller Ergebnisse ist, dass die höchste und sicherste Wirksamkeit durch Apilife VAR erreicht wird, gefolgt von Thymovar und an dritter Stelle mit beträchtlichem Unsicherheitspotential, das Apiguard (Untersuchungen der Bieneneninstitute Mayen und Kirchhain, 2004).  Die hohe Wirksamkeit von Apilife VAR wird durch die imkerliche Praxis seit vielen Jahren bestätigt. Die Völkerverluste der Jahre 2002/03 haben die Apilife VAR Anwender nicht betroffen. Es kann als das derzeit sicherste Produkt auf der Basis der ätherischen Öle angesehen werden. Die diesjährigen Erfahrungen bestätigen dies gerade wieder.

Rückstandssituation im Honig: 

Von den in der EU -Verordnung genannten ätherischen Ölen, ist lediglich das Thymol rückstandsrelevant. Die anderen Stoffe sind hochflüchtig und können deshalb schon nach kurzer Zeit nicht mehr im Bienenstock nachgewiesen werden. Die Anwendungen von Apilife VAR, Apiguard und Thymovar münden letztendlich in die gleiche Frage: Wieviel Thymol kann in Honigen des Folgejahres nachgewiesen werden und wie sind diese Befunde im Hinblick auf gesetzliche Regelungen und auf eine etwaige Geschmacksverfälschung einzuordnen ?

Rückstandsuntersuchungen im Winterfutter und im Frühjahrshonig von allen drei Varianten werden derzeit in Hohenheim durchgeführt.

Gesetzliche Regelungen in der EU:

Die EMEA (European Agency for Evaluation of Medicinal Products) hat für die eingangs erwähnten vier ätherischen Öle keine Höchstgrenzen in Honig festgelegt (EWG Nr. 2377/90). Aufgrund der von der WHO anerkannten generellen Harmlosigkeit dieser Substanzen (gras-Status = generally regarded as safe) wurde eine Rückstandsmengenbegrenzung für Honig nicht für nötig befunden. Rückstände dieser ätherischen Öle in Honig würden damit nie zu einer  Beanstandung des Honigs seitens der Lebensmittelüberwachung führen. Diese Einstufung wurde sicherlich auch deshalb vorgenommen, weil verschiedene Honigsorten von Natur ausThymol und andere ätherisch Öle enthalten können (Parallele zu den organischen Säuren). Dies sind in erster Linie Thymianhonige und Mischungen davon bzw. Lindenhonige und Honige mit Lindenanteilen bei denen Gehalte bis 700 ppb gefunden worden sind. Die Schweiz hat aus diesem Grunde eine nationale Höchststandsgrenze von 800 ppb festgelegt.

Auch andere Honigsorten können Thymol enthalten (Untersuchungen der Universität Antwerpen 2005, Honige aus unbehandelten Kontrollvölkern enthielten 30-800 ppb Thymol).

Als Lebensmittelzusatz wird Thymol bis maximal 50.000 ppb toleriert. Der Verbraucherschutz ist damit in vollem Umfang gewährleistet.

Geschmacksbeeinträchtigungen durch Thymol:

Da keine zulässigen Höchstgrenzen festgelegt sind, muß das Risiko einer Geschmacksverfälschung der Honige des Folgejahres betrachtet werden. Thymol kann von geschulten Sensorikern in aromaschwachen Honigen ab etwa 1300 ppb erkannt werden (Ergebnisse Forschungsanstalt Liebefeld). Bei Tests an der Universität Hohenheim konnten Laien in Blütenhonigen ab etwa        1500 ppb eine Geschmacksveränderung erkennen.

Diese Rückstandswerte können durch eine ordnungsgemäße Anwendung von thymolhaltigen Varroaziden nach der Honigernte erreicht werden. Bei Versuchsanwendungen von Apilife VAR wurden im Durchschnittetwa 30 ppb Thymol im Honig detektiert, wobei die Werte zwischen der Bestimmungsgrenze von 5 und maximal Werten von 150 ppb lagen. Bienenvölker die mit offenen Gitterböden ausgestattet sind, haben regelmäßig sehr tiefe Rückstandswerte, weil der intensive Luftaustausch die Abdunstung aus den Völkern beschleunigt.

 Auch die langjährige Anwendung führt zu keinem Anstieg der Messwerte im Honig. Damit liegen die zu erwartenden Rückstandswerte nach einer Spätsommerbehandlung immer weit unterhalb einer erkennbaren Geschmacksbeeinträchtigung. Die ordnungsgemäße Anwendung von Apilife VAR hat bisher in keinem Fall zu Rückstandsproblemen geführt.

Thymolrückstände im Bienenwachs:

Während der Anwendung von Thymol im Bienenvolk reichert sich der Wirkstoff im Wabenwachs an. Es können Werte bis 600 ppb erreicht werden. Die Tatsache, dass man als Mensch den Wirkstoff während der Anwendung und in den Wochen danach riechen kann, zeigt dass Thymol über die Wärme im Bienenvolk und durch die Ventilation der Bienen allmählich aus dem Stock getrieben wird. Schweizer Untersuchungen haben gezeigt, dass auch bei mehrjähriger Anwendung von Thymol keine Anreicherung im Wachs stattfindet, sondern der Wirkstoff immer wieder auf einen niedrigen Pegel absinkt. Dieser Pegel ist aber auf Grund der heutigen hoch empfindlichen Analyseverfahren immer erkennbar. Unklar ist, inwieweit Bienenwachs bestimmter Herkünfte von Natur aus Thymol enthalten kann. Dafür gibt es Anhaltspunkte und auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, da Bienen mit dem Sammelgut auch ätherische Öle eintragen, die in das Wachs übergehen können. Derzeit laufen Untersuchungen in Hohenheim mit Proben von Imkern, die selbst noch nie Thymol eingesetzt haben und auch nie Wachs zugekauft haben, um diesen Sachverhalt zu klären.

Bienengesundheit/Tierschutz:
 Ätherische Öle werden von Bienen höchstwahrscheinlich gezielt aufgesucht und eingetragen. Sie gehören zur natürlichen Ausstattung eines Bienenvolkes und prägen den Stockduft. Dies ist vor allem im Zusammenhang mit Propolis bekannt. Auch viele Trachtpflanzen enthalten ätherische Öle, die, so kann man unterstellen, zusammen mit dem Nektar und dem Pollen eingebracht werden. Für welche Zwecke und wie sie später im Bienenvolk eingesetzt werden ist unbekannt. Unbekannt ist auch, inwieweit die Verarmung der für Insekten nutzbaren Pflanzenwelt solche Stoffe heute zu einem Minimumfaktor werden lassen.

Die Behandlung von Bienenvölkern mit ätherischen Ölen führt nie zu Könniginverlusten und löst auch keine Brutschäden aus. Diese Substanzen sind für Bienen und Bienenbrut harmlos (Apilife VAR hat gegenüber der Ameisensäure, bei der häufig Brutschäden registriert werden, entscheidende Vorteile). Die Überwinterung der Bienenvölker in diesem Jahr bestätigt wieder, dass Bienenvölker die mit Apilife VAR behandelt worden sind, mit außergewöhnlich hoher Überlebensrate über den Winter gekommen sind.

Anwendung/Anwenderschutz:

Ätherische Öle sind anerkannt harmlos für den Imker. Die Sustanzen sind bestenfalls läßtig, was die Geruchsbildung angeht. Durch das Tragen von Handschuhen kann der Körperkontakt sicher vermieden werden. Die Verwendung der Präparate ist denkbar einfach, dementsprechend gibt es kaum Fehlerquellen. Eine Kontrolle der Verdunsterleistung kann entfallen. Die Langzeitwirkung über etwa fünf Wochen sichert die behandelten Völker gegenüber dem Milbeneintrag aus unbehandelten Völkern ab. Die Wirkung der ätherischen Öle wird in erster Linie durch die Volkstemperatur und nicht durch die Außentemperatur gesteuert. Die Völker werden sicher in den Winter gebracht und Völkerverluste können so verhindert werden.

Die ätherischen Öle sind ein wichtiger Baustein im Bekämpfungskonzept gegen die Varroose. Sie sind einfach in der Anwendung und erreichen eine sehr hohe Wirkungssicherheit. Auf Grund der Ungefährlichkeit für den Anwender und für die Bienenvölker wird dem Anwenderschutz und dem Tierschutz im vollen Umfang Rechnung getragen. Eine Rückstandsproblematik existiert nicht, da Bienenprodukte von Natur aus derartige Substanzen enthalten können und weil bei den Verbrauchern keinerlei Vorbehalte gegenüber den ätherischen Ölen existieren.

Ätherische Öle und hier in erster Linie das Apilife VAR sind eine große Hilfe bei der Bekämpfung der Varroamilbe. Die Anwendung ist ungefährlich, sehr schnell und einfach und trotzdem zuverlässig – in jedem Bienenkasten.

Fehlerquellen sind praktisch ausgeschlossen. Eine Rückstandsgefahr für den Honig existiert nicht. Eine Anreicherung im Wachs über die Jahre findet nicht statt. Bei der Verarbeitung von Wachs kann, wenn gewünscht , eine Reduktion erreicht werden.

Als entscheidender Vorteil der ätherischen Öle (gegenüber der Ameisensäure) liegt in der Bienen – und Brutschonenden Wirkung. Gerade im Ökobereich muß der Tierschutz einen hohen Stellenwert einnehmen. Es sollte durchaus hinterfragt werden, ob geringe Thymolmengen im Bienenwachs (bei Ameisensäure werden keine Messungen gemacht), ein so gewichtiges Argument darstellen, wenn auf der anderen Seite weniger Bienen leiden und meine Bienenvölker den Winter sicher überleben können.

Nach dem heutigen Wissensstand sollte Api-Life VAR aufgrund seiner seit Jahren belegten hohen Wirksamkeit, den anderen Handelsprodukten vorgezogen werden. Verbandsinterne Höchstgrenzen für Wachs (z.B. Drohnenbau im Frühjahr) können sicherstellen, dass die Anwendung der ätherischen Öle ordnungsgemäß durchgeführt worden ist. 

                                                        Dr. Klaus Wallner

                                                   (Bieneninstitut Hohenheim)

P.S. Eine Initiative der Salzburger Imkergenossenschaft –

IM Matthias Fink ,  BIO-Imker – IM Hinterhauser Gerhard

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 9. November 2018 )
 
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