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Geschrieben von IM Matthias Fink   
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                                                              Schneeheide

Beobachtungen von Dipl.Ing.Horst Nöbl, Saalfelden

Seit mehr als 30 Jahren befasst sich DI Nöbl mit den Honigtauerzeugern auf Fichte und Tanne, speziell im Raum Saalfelden im Salzburger Pinzgau 

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Wiederkehrende Rhythmen in der Waldtracht:

In einer Abhandlung aus dem Jahre 1983 wurde von mir schon auf die rhythmische Entwicklung der Honigtauerzeuger hingewiesen. Sowohl die Honigtauerzeuger als auch deren Gegenspieler entwickeln sich in annähernd gleich langen Perioden.

 Vermehrungsrhythmus bei Lachniden:

 1.Jahr        2.Jahr       0-Jahr

1958          1959         1960

1961          1962         1963

1964          1965         1966

1967          1968         1969

1970          1971         1972

1973          1974         1975

1976          1977         1978

1979          1980         1981

1982          ------         1983

1984          1985         1986

1987          1988         1989

1990          1991         1992

1993          ------         1994

1995          1996         1997

1998          1999         2000

2001          ------         2002

2003          2004         2005

2006          2007         2008Image

 Vermehrungsrhythmus bei der Lecanie:

 1.Jahr          2.Jahr          3.Jahr          4.Jahr         0-Jahr 

1958            1959           1960            --------         1961

1962 (0)      1963 (1)      1964 (2)      1965 (3)      1966

1967            1968           1969            1970            1971

1972            1973           1974            --------         1975

1976            1977           1978            --------         1979

1980            1981           1982            --------         1983

1984 (0)      1985 (1)     1986 (2)       1987 (3)      1988

1989            1990           1991            --------         1992

1993            1994            1995           1996 (0)     1997

1998            1999            2000           -------         2001

2002            2003            2004           2005          2006

2007            2008            2009           -------         2010

 

Rhythmus des Nährstoffangebots:

1957 bis 1963    ungerade Jahre

1964 bis 1982    gerade Jahre

1983 bis 1993    ungerade Jahre

1994 bis 2002    gerade Jahre

2003 bis   ?        ungerade Jahre

 Der Vermehrungsrhythmus der Lachniden erfolgt in Perioden von drei Jahren, wobei die Gegenspieler vom Zusammenbruch der Lachnidenpopulation im Sommer des 2.Jahres bis zum Sommer des 3.Jahres das Feld beherrschen. Im Herbst des 3.Jahres ist wieder eine Eiablage möglich, je nach Nährstoffangebot gibt es im 1. und 2.Jahr Lachnidentrachten (häufig Melizitose). Der dreijährige Rhythmus wird jedoch zeitweise durch einen zweijährigen unterbrochen, das heißt,dass nach dem Auftreten der Lachniden im 1.Jahr sehr rasch  die Gegenspieler die Überhand bekommen und daher im folgenden Jahr bereits ein 0-Jahr eintritt. Von den beiden möglichen Lachnidenjahren führt nur eines auf Grund des günstigeren Nährstoffangebotes zu einer ausgiebigen Honigtautracht. Für die Prognose in der Lachnidentracht ist daher der Lachnidenrhythmus nur ein Anhaltspunkt, vielmehr muss hier die Entwicklung eines jeden einzelnen Jahres beobachtet werden.

Die Vermehrung der Lecanie erfolgt in vier- bis fünfjährigen Perioden. Da die Lecanie  die wichtigste Honigtauerzeugerin im montanen Fichtenwaldgebiet ist und in einem Jahr nur eine Generation ausbildet, kommt der Vermehrung und Ausbreitung derselben besondere Bedeutung zu. Die Lecanienpopulation kann bei starker Parasitierung auf unter 1% der Ausgangsstärke zurückfallen, in anderen Jahren jedoch bei guter Vermehrung und geringer Parasitierung auf das Hundertfache ansteigen. Die Vermehrung der Lecanie und das Honigen derselben stehen jedoch in einem Widerspruch. Jene Witterungsfaktoren, die ein gutes Honigen der Lecanie herbeiführen (nasser Mai, schöner trockener Juni) führen gleichzeitig zu einer starken Parasitierung und einem Stagnieren in der Aufwärtsentwicklung der Lecanie. Umgekehrt erfolgt bei einem schönen trockenen Mai und einem nasskalten Juni eine starke Vermehrung der Lecanie, sodass die Ausgangsposition für das nächste Jahr stark verbessert wird. Aber nicht nur die Anzahl der Lecanien ist für die Honigtautracht entscheidend, sondern auch das Nährstoffangebot des Waldbodens und in der Folge die Qualität des Siebröhrensaftes der Fichte. Am Höhepunkt der Lecanienvermehrung gibt es immer ein gutes Waldhonigjahr, aber auch bei einer  geringeren Lecanienpopulation ist bei einem entsprechend günstigen physiologischen Zustand der Bäume eine hervorragende Waldtracht möglich. Entscheidend dabei ist, dass vor Beginn der Waldtracht hohe Niederschläge bzw. eine gute Bodenfeuchtigkeit, die auch noch vom Winter her stammen kann, vorhanden ist, sodass die Mykorrhizapilze im Waldboden die Nährstoffe für die Bäume aufbereiten können.

Die Kenntnis des Lecanienrhythmus´ ist für die Waldtrachtprognose im Gebirge von großer Bedeutung. Es wiederholen sich alle Vorgänge im Zyklus von vier bis fünf Jahren.

Das 0-Jahr:  Wenn wir mit dem Populationsminimum der Lecanie beginnen, so folgt dieses 0-Jahr immer auf das Jahr der höchsten Verbreitung  und stärksten Parasitierung. Während sich die Aufwärtsentwicklung über mehrere Jahre hinzieht, erfolgt der Zusammenbruch innerhalb eines Jahres. Im 0-Jahr selbst gibt es in allen Höhenlagen keinen Waldhonig aus der Lecanie, unabhängig davon können jedoch die Lachniden honigen. Die Dezimierung der Lecanienpopulation ist in der Niederung am stärksten, die meisten Lecanien überleben in einer Höhenlage über 1500 m. Hier ist auch im 0-Jahr eine geringe Waldtracht vorhanden.

Das 1. Jahr:  Da in einer Seehöhe von über 1200 m auch im 0-Jahr Lecanien vorhanden sind, vermehren sich diese dort, sodass bereits im 1.Jahr eine gute Waldtracht möglich ist. Das typische Merkmal des 1.Jahres ist daher das Honigen über 1200 m im Gebirge und ein Stagnieren in der Niederung. Bei günstiger Aufstellung der Bienenvölker kann jedoch ab einer Seehöhe von 700 m der Waldhonig aus den Höhenlagen geerntet werden, wenn ihn die Bienen erreichen, also nahe genug am Fuße des Gebirges stehen.

Das 2. Jahr:   Die Lecanienverbreitung macht weitere Fortschritte. Sie honigt in allen Lagen ab 700 m Seehöhe aufwärts. Die Ergiebigkeit in den Höhenlagen ist jedoch immer noch größer als in der Niederung.

Das 3. Jahr (bei fünfjährigem Rhythmus auch 4. Jahr):  Der Höhepunkt der Lecanienpopulation wird erreicht. In der Niederung kann die Lecanientracht sogar stärker sein als in den Höhenlagen über 1200 m, weil dort eine weitere Vermehrung nicht mehr stattfindet, doch während der Tracht erfolgt eine sehr starke Parasitierung der Lecanien.

 Auf Grund der ziemlich eindeutigen periodischen Abfolge der Lecanienentwicklung kann es eigentlich nur wenige Prognosefehler geben. Unklarheiten gibt es eigentlich nur nach dem dritten Jahr: Es folgt entweder ein viertes Jahr in einer 5-jährigen Periode oder das 0-Jahr. Es können trotz der starken Parasitierung auf Grund der hohen Populationsdichte viele Lecanienlarven beobachtet werden. Dies würde auf ein weiteres Honigjahr schließen. Diese Lecanienlarven sind aber im nächsten Frühjahr nicht mehr vorhanden, sodass das 0-Jahr folgt. Dieser Umstand lässt drauf schließen, dass auch die Lecanienlarven durch Gegenspieler dezimiert werden.

 Der Rhythmus des Nährstoffangebots:

Das Nährstoffangebot (Siebröhrensaft) ist entscheidend für die Entwicklung der Honigtauerzeuger und der Honigtauproduktion. So wie auch im Obstbau bei ungedüngtem Boden nur jedes zweite Jahr eine gute Ernte zu erwarten ist, so verhält es sich auch im Wald. Wenn in einem Jahr durch die Mykorrhizapilze mehr Rohhumus umgesetzt und den Bäumen als Nährstoffe zur Verfügung gestellt wird, so fehlen diese Nährstoffe im nächsten Jahr. Hinzu kommt auch noch ein vierjähriger Rhythmus des Blühens der Fichte, der mit dem zweijährigen zusammenpasst. Über einen längeren Zeitraum gibt es jedes zweite Jahr eine gute Waldtracht, allerdings weiß man nicht,  wann die Änderung von den ungeraden zu den geraden Jahren und umgekehrt erfolgt. Die längste Periode der guten Honigjahre mit geraden Jahreszahlen erfolgte von 1964 bis 1982. Die letzte Änderung zu den ungeraden Jahren erfolgte 2003 und kann entweder nur bis 2009 oder noch zehn Jahre länger andauern. Der Wechsel erfolgt immer unvermutet, trotzdem ergibt eine Kombination von Nährstoffangebot und Entwicklung der Honigtauerzeuger eine hohe Trefferquote in der Prognose. Die Jahre mit günstigem Nährstoffangebot wurden bei den Lachniden des ersten und zweiten Jahres und bei der Lecanie des ersten bis vierten Jahres unterstrichen. Das Resultat sind die jeweils guten Trachtjahre bei den Lachniden und Lecanien.

 Die Anwendung der Rhythmen für das Jahr 2007:

Bezüglich des Nährstoffrhythmus´ liegt das Jahr 2007 auf der Linie von 2003 und 2005 im günstigen Bereich. Die Lecanie befindet sich im ersten Jahr, honigt also nur über 1200 m Seehöhe und kann von den Völkern nur dann genützt werden, wenn diese Höhenlage im Flugradius liegt.

Die günstigsten Aussichten scheinen heuer bei den Lachniden zu liegen. Es ist das zweite Lachnidenjahr, das heißt, die Entwicklung der Lachniden hat bereits im Vorjahr begonnen. Im Herbst wurden auf Grund der günstigen Witterung sehr viele Wintereier abgelegt, das Schönwetter im Frühjahr hat die Erstentwicklung der Lachniden sehr begünstigt, sodass im Mai dieses Jahres ein großer Bestand an Lachniden vorhanden ist und die Honigtautracht bereits begonnen hat. Die Lachniden  honigen zwar in allen Höhenlagen, in der Niederung jedoch besonders stark. Im Juni ist dieser Honig noch schleuderbar, ab Juli enthält er eine große Menge an Melizitose und kandiert in den Waben. Über 1200 m Seehöhe wurde bisher keine Melizitose beobachtet. Alle Maßnahmen zur Verhinderung des Verhonigens des Brutnestes sind zu beachten! Besonders gefährdet sind Völker in Hinterbehandlungsbeuten, wenn keine Leerwaben oder Mittelwände mehr zur Verfügung stehen.
Die genannten Rhythmen sind witterungsabhängig, es wird daher jenes Gebiet erfasst welches über größere Zeiträume dieselbe Witterung aufweist. Bei der Lecanie und beim Nährstoffangebot kann man den gesamten Alpenraum als einheitliche Region ansehen. Bei den Lachniden treten schon ganz kleinräumige Unterschiede auf, es werden hier oft Trachtinseln festgestellt. Der Gegenspielerkomplex ist dementsprechend auch regional unterschiedlich entwickelt. Geringe witterungsmäßige Unterschiede haben daher bei den Lachniden schon eine große Bedeutung. Die örtliche Entwicklung der Lachniden wird auch durch die Windverfrachtung von geflügelten Exemplaren überlagert, sodass in guten Lachnidenjahren auch dort eine Tautracht zustande kommt, wo es ursprünglich keine oder nur eine geringe Entwicklung gegeben hat. Die Windverfrachtung der Lachniden trägt dazu bei, dass in einer größeren Region ein einheitlicher Lachnidenrhythmus beobachtet werden kann.

                                         HR Dipl. Ing. Horst NÖBL

                                                                            Trachtreferent für Salzburg
                     Trachtbericht für das Honigjahr 2006:

 

Im Frühjahr 2006 wurde folgende Trachtprognose abgegeben:

„Für die Waldtracht ergibt sich in der Prognose ein widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite hat die starke Bodenfeuchtigkeit auch auf die Waldtracht einen positiven Einfluss, andererseits aber wird heuer das Populationsminimum der Lecanie erreicht. Außerdem sind nach Hochwasserjahren, wie es das Jahr 2005 war, nur hervorragende Blütentrachten (auch die Fichte blüht), aber keine guten Waldtrachten zu erwarten. Die Hoffnung in der Waldtracht liegt daher hauptsächlich im Blütenanteil (Himbeere, Linde) und bei den Lachniden. Diese können uns heuer besonders in der Niederung eine Waldtracht bescheren, wobei der Honigtau im Juni zum Großteil noch schleuderbar ist, in weiterer Folge aber nur Melezitose geerntet werden kann.“

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Interessant ist natürlich  das Trachtergebnis bei derart stark entgegengesetzten Voraussetzungen wie im heurigen Jahr. Auf der einen Seite sind es die positiven Einflüsse des Winterschnees. Die zehn schneereichsten Winter seit 1970 brachten in diesen Jahren einen Durchschnittsertrag (Blüte und Wald zusammen) von 35 kg, hingegen lag der Durchschnittsertrag nach den zehn schneeärmsten Wintern bei nur 11 kg. Der Schnee hat also einen großen Einfluss auf die Bodenfeuchtigkeit zur Trachtzeit im Mai und Juni. Als zweiter positiver Faktor sind die langen Schönwetterperioden in der Trachtzeit zu bewerten.

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Im Gebirge ist die Fichte mit den darauf lebenden Honigtauerzeugern der wichtigste Trachtbaum. Die Fichte ist großen Schwankungen in ihrer Assimilationsleistung unterworfen. Diese ist von der Anzahl und dem Alter der Blattorgane (Nadeln) abhängig. Nur wenn ein Überschuss an Assimilaten erzeugt wird, ist von den Honigtauerzeugern etwas zu erwarten. Extrem negativ wirkt sich das Blühjahr der Fichte auf die Honigtauerzeugung aus. Der gesamte Saftstrom wird für das Wachstum der männlichen Blüten und der weiblichen Zapfen verwendet. Es erfolgt kein neuer Austrieb, sodass nur die älteren Nadeljahrgänge für die Assimilationsleistung herangezogen werden. Der Durchschnittsertrag bei den Fichten-Blühjahren 1988, 1992, 1995 und 2001 lag bei 15 kg Blütenhonig und 5 kg !!  Waldhonig.  Nach einigen Jahren hat sich die Fichte wieder erholt und es kommt ein Jahr vor dem Blühjahr zum sogenannten Blühauslösejahr. In diesem Jahr gibt es hervorragende Bedingungen für eine Waldtracht, meist eine hohe Winterschneedecke, gute  Frühjahrsfeuchtigkeit und meist auch Hochwasser im August. Der Überschuss an Assimilaten regt nicht nur die Honigtauerzeuger an, sondern es werden im August an Stelle der zukünftigen Triebknospen die wesentlich größeren und eiweißhältigen Blütenknospen gebildet. Mit dem Durchschnittsertrag schaut es in den Blühauslösejahren (1987, 1991, 1994, 2000, 2005) ganz anders aus. Bei der Blüte liegt der Schnitt bei 16 kg,  in der Waldtracht bei 40 kg !!

 Der zweite negative Aspekt in der Waldtracht war das Populationsminimum der Lecanie. Es war, wenn überhaupt, nur Lachnidenhonig zu erwarten.

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Das Honigjahr 2006 hat sich ziemlich genau an diese Voraussetzungen gehalten. Der Honigertrag lag in der Maiblüte bei 17 kg und zur Zeit der Waldtracht im Juni und Juli bei 10 kg. Diese 10 kg waren aber nicht Waldhonig, sondern ebenfalls Blütenhonig aus Himbeere/Brombeere und Weißklee. Die 27 kg Gesamttracht lagen also doch viel näher dem Durchschnittsertrag der schneereichen Winter (35 kg). Jene Gegenden mit vorwiegenden Blütentrachten waren heuer bevorzugt. Im Gebirge über 1000 m Seehöhe war es durch den Ausfall der Waldtracht ein eher schlechtes Honigjahr. Die in der Niederung auftretenden Lachnidentrachten waren hauptsächlich auf Laubhölzern, Tanne und nichtblühenden Fichten zu finden. Es wurde bis spät in den Herbst hinein Tannenhonig und Melezitosehonig eingetragen. Auch im Gebirge konnte im September/Oktober eine Lachnidenvermehrung auf der Fichte beobachtet werden, wobei in der Folge sehr viele Wintereier abgelegt wurden. Sowohl die Wintereiablage bei den Lachniden als auch die Vermehrung der Lecanie in den Hochlagen ergeben günstige Aspekte für das kommende Honigjahr 2007.

 Der Trachtreferent                        Image

Dipl.Ing.Horst Nöbl                    

 

                          

 

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 26. Mai 2008 )
 
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Mit 1. März 2014 ist das neue Salzburger Honiglabor in Betrieb gegangen.
 
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