Bienenweide
Geschrieben von IM Matthias Fink   

VERBESSERUNG DER BIENENWEIDE

(Artikel von Trachtbeobachter Dipl.Ing. Horst Nöbl) 

 Der Idealzustand einer Landschaft wäre für unsere Bienen, wenn das ganze Jahr über ein ausreichendes Pollen- und Nektarangebot vorhanden wäre. Durch die Ausräumung der Landschaft für eine mechanisierte Bewirtschaftung und den Rückgang des Streuobstanbaues sind jedoch in den vergangenen Jahrzehnten viele für die Bienen lebenswichtige Sträucher und Bäume verloren gegangen. Es liegt jetzt an uns, durch Pflanzaktionen und Beratungen wieder eine Verbesserung herbeizuführen.Wenn wir das Bienenjahr hinsichtlich der Bienenweide betrachten, so können wir feststellen, dass die Blütezeiten der verschiedenen Trachtpflanzen in jeder Höhenlage in einer gleich bleibenden Reihenfolge ablaufen, wobei in jeder Periode gewisse Leitpflanzen blühen.

 1. Der Vorfrühling (Februar - März):

Der erste ausgiebige Polleneintrag erfolgt in den meisten Gebieten von Hasel und Erle. lm Kalkbereich spielt die Schneeheide (Erica carnea) eine große Rolle, weitere, für die Bienen wichtige Leitpflanzen sind Schneerose, Krokus, Leberblümchen und Buschwindröschen. Wenn auch der Eiweißgehalt des Hasel- und Erlenpollens nicht hoch ist, ist er für die Anlage des ersten Brutnestes sehr wichtig. Ein wertvoller Strauch mit hohem Polleneiweißgehalt, der auch zu den Frühblühern gehört, ist die Kornelkirsche.

 2. Die Weidenzeit (März - April):

Erst mit dem Aufblühen der ersten Weidenkätzchen beginnt für die Bienen eine starke Aufwärtsentwicklung. Während im Vorfrühling der Pollen von Hasel und Erle durch Witterungsrückschläge oft gar nicht voll ausgenützt werden kann, wird in der Weidenblüte, bei der neben Pollen auch schon Nektar eingetragen wird, das erste große Brutnest angelegt. Die Weiden sind zweihäusig, die männlichen Sträucher tragen Kätzchen mit Pollen, die weiblichen liefern Nektar, damit sie von den Bienen zur Bestäubung besucht werden. Die Weiden decken über einen langen Zeitraum den Bedarf der Bienen ab, deshalb ist es wichtig, dass eine größere Vielfalt von früh blühenden bis spät blühenden Arten vorhanden ist. Die größte Bedeutung haben die Frühblüher Sahlweide und Reifweide sowie deren Bastarde. Eine Vielzahl von Weiden bildet untereinander Kreuzungen, die Blütezeiten liegen dann genau in der Mitte der verbastardierten Hauptarten.

Durchschnittlicher Beginn des Blühens folgender Weiden-Hauptarten auf 600 m Seehöhe

16. März:           Salix caprea  - Sahlweide (Palm-Weide)
18. März:           Salix daphnoides      Reifweide
27. März:           Salix appendiculata Schluchtweide   (Großblatt-Weide, Gebirgs-Weide)
3. April:               Salix viminalis     Hanfweide (Korb-Weide) ' 
7. April:             Salix purpurea  - Purpurweide (Stein-Weide)
10. April:            Salix cinerea     Asch-Weide (Grau-Weide)
13. April:          Salix fragilis - Bruch-Weide (Knack-Weide)
17. April:          Salix eleagnos-Grau-Weide (Lavendel-Weide)
19. April:           Salix aurita   Ohr-Weide (Salbei-Weide)
21. April:     Salix glabra- Glanz-Weide (Kahl-Weide, nur auf Kalk)
27. April:     Salix alba     - Silberweide

 Die Weiden lassen sich sehr leicht vegetativ (durch Stecklinge) vermehren, auch die Bastarde der Sahlweide, nur die Hauptart der Sahlweide zeigt wenig Austriebsfähigkeit und muss durch Samen vermehrt werden. Auf Grund des Bedarfes an Palmkätzchen für die Palmprozession soll in jedem Garten eine Palm-Weide vorhanden sein.ln der zweiten Hälfte der Weidenzeit blühen bereits Marille und Mandel, wobei besonders der Mandelbaum förderungswürdig erscheint. Die Weidenzeit geht am Ende über in

3. Die Kirschenzeit (April - Mai):

Kirsche, Spitzahorn und Heidelbeere liefern schon rund 10 Tage vor Beginn der Blütenhaupttracht neben Pollen schon reichlich Nektar, bei optimalem Vorkommen und günstiger Witterung schon bis zu 1,0 kg über mehrere Tage. Vogelkirsche und Spitzahorn sind neben den Weiden die wichtigsten Bäume in der Entwicklungsphase der Bienenvölker, denn die im April aufgezogenen Bienen sind entscheidend für den Gesamtertrag eines Jahres. Diese Bienen lösen nämlich die Winterbienen gänzlich bei der Brutaufzucht ab, so dass die Winterbienen zusammen mit jenen aus dem ersten Brutnest im März die Blütenhaupttracht einbringen. Nach dem Brutgeschäft im Mai sind sie für den Eintrag der Waldtracht verantwortlich.

4. Der Vollfrühling (Mai):

ln dieser Zeit ist das größte Angebot von Pollen und Nektar des ganzen Jahres vorhanden. Die Blütentracht steht auf zwei getrennten Säulen, nämlich den Bodenblühern (Löwenzahn auf Grünland und Raps in Ackerbaugebieten) und den Bäumen und Sträuchern (Obst, Beerenobst, Bergahorn, Rosskastanie). Je geringer der Obstanbau mit der Höhenlage wird, um so größer ist die Bedeutung des Bergahorns. Bei der Neuanlage von Gärten ist besonders darauf zu achten, dass nicht Koniferen, sondern Obstbäume gesetzt werden.

5. Die Zeit der Waldtracht (Ende Mai bis Anfang Juli):

Gleichzeitig mit der Lecanientracht auf der Fichte blühen die Robinie in der Niederung und die Himbeere in mittleren und höheren Lagen. In der zweiten Hälfte der Lecanientracht beginnt die großblättrige Sommerlinde zu blühen, in tiefen Lagen auch die Edelkastanie. Mit Beginn der Lachnidentracht im Wald blüht die kleinblättrige Winterlinde. Den meisten Blatthonig liefern Eichen und Linden. Robinie, Linde und Edelkastanie können, wenn sie in ausreichendem Maß vorhanden sind, ebenso viel Nektar liefern, wie die Nadelbäume an Honigtau. Die Anpflanzung dieser Bäumäe ist besonders dort wichtig, wo die Fichte nicht mehr regelmäßig honigt (zwischen 400 m und 800 m Seehöhe).

Was soll gepflanzt werden und was soll nicht mehr gepflanzt werden?

Zur Erreichung einer ökologischen Vielfalt sollen alle einheimischen Bäume und Sträucher in einem ausgewogenen Verhältnis gepflanzt werden. Die Nektar spendenden Arten sollen dabei einen hohen Anteil haben. Vor jeder Pflanzaktion ist zu prüfen, welche Bäume schon in ausreichendem Maß vorhanden sind und welche einen zu geringen Anteil haben. Weiters ist an jedem einzelnen Pflanzstandort festzustellen, ob ein großer Baum Platz hat, oder auf Grund der Schattenwirkung nur ein mittelgroßer Baum zu setzen ist. Ein ständiger Baumschnitt soll dadurch vermieden werden.

Koniferen:

Nadelbäume gehören grundsätzlich in den Wald und in Parks. Die Beschattung ist zu groß, so dass bei Straßenbäumen der Schnee länger liegen bleibt und in Gärten nicht einmal der Rasen aukommt. Unter Laubbäumen wachsen Frühlingsblumen, da das Laub erst später austreibt. Während bei den Laubbäumen der Laubabfall auf einen kurzen Zeitraum im Herbst beschränkt ist, fallen die Zapfen der Nadelbäume das ganze Jahr über ab.

Pollenallergie:

Neben den Gräsern weisen Birken die aggressivsten Pollen auf. In den meisten Gebieten ist der Birkenanteil schon viel zu hoch und es sollen keine neuen mehr gepflanzt werden.

Ausländische Bäume und Sträucher:

Sie fallen bei uns durch besondere Blüten- und Blattfärbungen auf (Forsythie, Japanische Blütenkirschen). Sie passen nicht in unsere Ökologie und werden nicht von Insekten besucht. Eine Ausnahme bildet die Robinie, die allerdings schon seit 300 Jahren in Europa heimisch ist und sich unserem Lebensraum angepasst hat.

Feuerbrand:

Auf Grund der rasch fortschreitenden Ausbreitung des Feuerbrandes sollen nur resistente Birnen- und Apfelsorten nachgepflanzt werden. Es sollen folgende Überträgerpflanzen nicht mehr gesetzt werden: Quitte, Eberesche, Weißdorn, Feuerdorn, Rotdorn, Mispel, Zwergmispel, Mehlbeere, Felsenbirne, Stranvaesie, alle Cotoneaster.

Bäume für Straßen und Parkplätze:

Ungünstig sind Nadelbäume (Beschattung, Schnee und Eis liegt länger, Zapfenabfall) und rasch wüchsige Pappeln (Abfall abgestorbener Äste). Bei Hybridlinden treten Wurzelschößlinge und abgestorbene Äste auf, die einen häufigen Schnitt verursachen. Man soll ohne Baumschnitt auskommen und daher schon beim Pflanzen die richtige Auswahl treffen. Langsam wachsende Bäume sind bis zu einem Alter von 30 bis 50 Jahren nur mittelgroß und können über 100 Jahre alt werden. Wenn vorhandene Bäume zu groß werden und zuviel Schatten werfen, dann sollen sie mit den größenmäßig richtigen Arten unterpflanzt werden und bei Erreichung einer entsprechenden Größe der jungen Bäume die alten beseitigt werden. Von den bienenwirtschaftlich wichtigen Bäumen sind als mittelgroße besonders der Mandelbaum und schwach wüchsige Ahorne und als langsam wachsende große Bäume, die lange Zeit mittelgroß bleiben, besonders Vogelkirsche, Robinie, Winterlinde und Spitzahorn zu empfehlen. Wo genügend Platz ist, soll der Anteil an Bergahorn, Sommerlinde, Rosskastanie und Edelkastanie erhöht werden. Aufgrund der globalen Erwärmung ist in unseren Breiten ein Ansteigen der Vegetationsgürtel um mindestens 400 Höhenmeter zu erwarten. Sämtliche Laubbäume, die derzeit in der Niederung natürlich verbreitet sind, werden in Zukunft auch in höheren Lagen gedeihen (bis 1200 m Seehöhe)

Liste der bienenwirtschaftlich wichtigsten Laubbäume, Sträucher und Zwergstaudengewächse:
Monatsangabe der Blütezeiten:

1           mittelgroß

2          bis zum Alter von 30 - 50 Jahren mittelgroß

3          groß 

4          für Straßen und Parkplätze

5          für Hecken

6          für Park und Freigelände

7          für Hausgärten

8          für Hauswände

 Bezeichnung                             Blütezeit

BÄUME:
Bergahorn  Acer pseudoplatanus   (5 - 6)             2 3 4 6 7
Feldahorn   Acer campestre    (4 - 5)                  1 4 5 6 7
Spitzahorn  Acer platanoides  (4 - 5)                    2 3 4 6 7
Eichen    Quercus ssp.           (4 - 6)                     2 3 4 6
Grauerle   Alnus incana          (3 - 4)                    1 6
Schwarzerle   Alnus glutinosa  (3 - 4)                  1 6
Weiden   Salix ssp.                        (3 - 5)            1 5 6 7
Sommer-Linde  Tilia platiphyllo  (6 - 7)                 2 3 4 6 7
Winter-Linde    Tilia cordata   (6 - 7)                    2 3 4 6 7
Robinie (Akazie)   Robinia pseudoacacia               2 3 4 6 7
Rosskastanie  Aesculus hippocastanum (4 - 6)    3 4 6
Edelkastanie     Castanea sativa    (6 - 7)            2 3 4 6
Faulbaum      Frangula alnus    (5 - 7)                 1 5 6
Apfel       Malus domestica      (4 - 5)   1 7
Birne     Pyrus communis     (4 - 5)                      2 3 7
Vogelkirsche, Süßkirsche   Prunus avium  (4 - 5)   2 3 4 5 6 7
Weichsel, Sauerkirsche   Prunus cerasus  (4 - 5    1 7 8
Pfirsich    Prunus persica  (3 - 4)      7 8
Pflaume, Zwetschke     Prunus domestica    (4 -  1 7
Marille, Aprikose  Prunus armeniaca  (3 - 4)   1 7 8
Mandelbaum    Prunus dulcis   (3 - 4)             1 4 6 7

STRÄUCHER:
Brombeere     Rubus fruticosus     (6 - 8)                      6 7
Himbeere        Rubus idaeus       (5 - 7)                        6 7
Stachelbeere, Ribisel    Ribes ssp.  (4 - 5)                        7
Hasel       Corylus avellana       (2 - 3)                        5 6 7
Kornelkirsche    Cornus mas     (2 - 3)                        5 6 7
Schwarzdorn-Schlehe    Prunus spinosa  (4 - 5)          5 6 7
Hartriegel  Cornus sanguinea     (5 - 6)                       5 6 7
Versch. Weiden      Salix ssp.     (3 - 5)                       5 6 7
Versch. Ginster        Cytisus       (5 - 6)         6 7
Maiblumenstrauch     Deutzia    (5 - 6)                        5 6 7
Eibisch  Hibiscus                        (7 - 8)                       6 7
Falscher Jasmin     Philadelphus
(Pfeifenstrauch)     coronarius     (5 - 6)                    5 6 7
Schneebeere Symphoricarpus rivularis  (6 - 8)           5 6 7
Wolliger Schneeball  Viburnum Iantana   (5 - 6)          5 6 7
Berberitze   Berberis vulgaris           (5 - 6)                5 6 7
Heckenkirsche   Lonicera tatarica    (5 - 7)                5 6 7

ZWERGSTRAUCHGEWÄCHSE:
Heidelbeere    Vaccinium myrtillus     (4 - 6)             6 7
Preiselbeere    Vaccinium vitis idaea  (5 - 7)             6 7
Besenheide     Calluna vulgaris          (7 - 9)             6 7
Schneeheide  Erica carnea               (2 - 4)              6 7

KLETTERPFLANZEN:
Efeu      Hedera helix                (8 - 9)                        8
Mauerkatze      Parthenocissus tricuspidata    (8 -9)Image

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 25. Februar 2010 )