Trachtbericht-Prognose 2015
Geschrieben von IM Matthias Fink   

Trachtbericht 2014/2015

Das Jahr 2014 war eines der schlechtesten Honig und Bienenjahre. Die Ursachen waren in der Witterung und in der Entwicklung der Honigtauerzeuger begründet. Witterungsmäßig

begann das Jahr 2014 mit der frühesten Vegetationsentwicklung seit 50 Jahren.Dementsprechend war die Blütentracht schon im April und nicht optimal. Durch das anhaltende Schlechtwetter im Mai wurde der Blütenhonig zum Großteil von den Bienen aufgezehrt. Im Juni gab es keinen Waldhonig, da ein weiteres Nulljahr in der Lecanientracht auf der Fichte folgte. Nur sporadisch honigten die Lachniden im Juli ohne nennenswerte Zunahmen.

Die VarroaEntwicklung:

Besonders stark war im Jahre 2014 die VarroaVermehrung, bedingt durch die extreme Witterung. Die Vermehrung begann schon im Winter bei Durchbrütern und im Feber bei allen Völkern. Im Mai und August war es extrem kühl, sodass sich die Brutphase (Entwicklungsdauer) der Bienen verlängert hat und mehr begattete Varroen schlüpfen konnten. Das Augustwetter behinderte außerdem die Varroa Bekämpfung,sodass es nur logisch erscheint, dass es Völkerverluste geben musste. Wo ein Schaden, ist auch ein Nutzen bezüglich Auslese: Man kann jetzt jene Völker vermehren, die unbeschädigt und stark das Frühjahr erreichen.

Warum gab es ein drittes Nulljahr in der Lecanientracht?

Betrachtet man die Lecanien Entwicklung seit Beginn meiner Aufzeichnungen im Jahre 1961, so kann man einen Entwicklungsrhythmus feststellen, der vier bis fünf Jahre dauert und sich in den letzten beiden Perioden auf sechs Jahre ausgedehnt hat.

Der Lecanienrhythmus seit 1961:

Nulljahre 3 Honigjahre 4. Honigjahr

1961 1962 1963 1964 1965

1966 1967 1968 1969 1970

1971 1972 1973 1974

1975 1976 1977

1978 1979 1980 1981 1982

1983 1984 1985 1986 1987

1988 1989 1990 1991

1992 1993 1994 1995

1996 1997 1998 1999 2000

2001 2002 2003 2004 2005

2006 2007 2008 2009 2010 2011

2012 2013 2014 2015 2016 2017

Die Lecanie honigt durchschnittlich drei Jahre hintereinander. Das erste Jahr beschränkt sich meist auf die Hochlagen über 1200 m Seehöhe. Von dort werden die ausgeschlüpften Lecanienlarven zum Teil durch den Wind heruntergeblasen und siedeln sich auch in der Niederung an. In den zwei Folgejahren erreicht die Lecanienpopulation durch weitere Vermehrung ihren Höhepunkt. Nach drei Honigjahren folgt meist ein Nulljahr, außer das Erstjahr war schwach (wie 1962, 1967, 2002) und im dritten Jahr gab es keine Lachniden (wie 1964, 1969, 2004), dann folgt ein gutes viertes Honigjahr (wie 1965, 1970, 2005).

Die Lachniden beeinträchtigen die Lecanienentwicklung!

Dies ist mir schon in den starken Lachnidenjahren 1976 und 1977 aufgefallen, wo es 1978 kein drittes Honigjahr, sondern bereits ein Nulljahr gegeben hat.

Wie geht das vor sich? In einem starken Lachnidenjahr entwickeln sich in der Folge auch viele Gegenspieler (Marienkäfer, Florfliege, Schwebfliege), welche nicht nur die Lachniden dezimieren, sondern auch die auslaufenden Lecanienlarven vertilgen. Es kommt daher zu keiner Lecanienvermehrung, nur jene Larven, die rasch den Schutz der nächsten Quirlschuppen auf der Fichte erreichen, überleben. Die Lachnidenentwicklung lässt sich nicht

für einen längeren Zeitraum prognostizieren. Wenn im Herbst viele Wintereier abgelegt werden und der Gegenspielerkomplex noch nicht allzu stark ist, gibt es ein starkes Lachnidenjahr mit viel Honigtau und auch meist viel Melezitose, sowie Tannenhonig. Günstig ist die Kombination Lachnidentracht im dritten Lecanienjahr (wie 1974, 1987, 1991), weil in diesem Jahr die Lecanie sowieso durch die Schlupfwespen parasitiert wird. Nach dem Nulljahr (1975, 1988, 1992) folgen rasch wieder drei Lecanienjahre. Äußerst ungünstig ist die Kombination der letzten beiden Lecanienperioden, wenn nämlich das Lachnidenjahr mit der

beginnenden Lecanienentwicklung im ersten Jahr (2007, 2013) zusammenfällt. Die Lecanien werden so stark dezimiert, dass im Folgejahr (2008, 2014) ein weiteres Nulljahr zu verzeichnen ist. Nach drei Lecanien Nulljahren sind die Honigreserven so ziemlich am Ende. Allerdings ist in den folgenden drei Jahren eine enorme Lecanienvermehrung gegeben, da die eigentlichen Gegenspieler der Lecanie, die Schlupfwespen, stark dezimiert sind. Die letzte Lecanienperiode (2009/2010/2011) beweist dies mit hervorragenden Waldtrachten, die bevorstehende Periode (2015/2016/2017) zeigt exakt denselben Entwicklungsverlauf.

Die Waldtrachtprognose für die Jahre 2015 bis 2018

2015: Die Waldtracht der Lecanie auf der Fichte beginnt im Erstjahr immer in den Hochlagen (über 1200 m). Hier sind schon genügend Lecanien für eine Trachtausnützung vorhanden, in der Niederung gibt es nur vereinzelte Lecanien. Zur Ausnützung der Tracht muss diese Höhenlage im Flugbereich der Bienen liegen, wenn nicht, ist eine Wanderung in das Trachtgebiet zu empfehlen.

Die Lecanie wird nicht parasitiert, es gibt auch keine Lachniden, sodass eine optimale Vermehrung (Verhundertfachung) erfolgt. Günstig wirkt sich ein schöner September aus, weil dann die Lecanienlarven auch sehr stark in die Niederung geblasen werden.

PROGNOSE:

2016: Waldtracht in allen Höhenlagen, in der Niederung ist das Optimum wahrscheinlich noch nicht erreicht. Im Herbst können die ersten Lachniden auftreten, welche Wintereier ablegen.

2017: Waldtracht in allen Höhenlagen mit Höhepunkt auch in der Niederung. Wahrscheinlich folgt auf die Lecanientracht auch noch eine Lachnidentracht im Juli/August.

2018: Nulljahr in der Lecanientracht, ganz sicher, wenn es 2017 ein starkes Lachnidenjahr gibt. Danach gibt es sofort wieder von 2019 bis 2021 Honigjahre.

Variante 2018: Viertes Waldtrachtjahr in allen Höhenlagen, wenn es 2017 keine oder nur wenige Lachniden gibt. Nach der Lecanie kann es eine Lachnidentracht geben. Es folgt ein sicheres Nulljahr 2019.

Empfehlungen für eine optimale Ausnützung der Tracht

Um die bevorstehenden Waldtrachten optimal auszunützen, steht heuer an erster Stelle die Völkervermehrung, und zwar nicht nur zur Auffüllung der Verluste, sondern ungefähr um 20% mehr als Standplätze vorhanden sind. Mit der Überzahl kann man durch Zusammenlegen den Honigertrag wesentlich erhöhen. Voraussetzung ist natürlich das Vorhandensein der entsprechenden Beutenzahl, und zwar nicht nur für die Ableger, sondern für jedes Standvolk sollten fünf Zargen zur Verfügung stehen, damit man nicht während der Tracht schon schleudern muss, sondern den Honig ausreifen lassen kann, und nach der Tracht ohne Zeitdruck den Honig abnimmt und ausschleudert. Etliche Imker beklagen die viele Arbeit, die sie bei einer Völkervermehrung hätten. Durch eine sinnvolle Investition in moderne Beuten (wanderfähig, mit Bienenflucht und Futterzarge) kann man die Arbeit wesentlich reduzieren und dadurch mehr Völker halten und, was sehr wesentlich ist, mehr Honig ernten. Auch der eingefleischteste Hinterbehandlungs Imker kann sich ein paar Magazine neben der Bienenhütte aufstellen und selbst den Vergleich der Arbeitszeiten ziehen. Die Kombination Bienenhütte Freiständer ist optimal, weil man die Leerzargen und Waben in der Hütte unterbringen kann. In Anbetracht der bevorstehenden Waldhonigjahre ist jede Investition, die zu einem höheren Ertrag und gleichzeitig zu einer Arbeitserleichterung führt, sehr sinnvoll und amortisiert sich sehr rasch.

Trachtreferent für das Bundesland Salzburg

Dipl.Ing Horst Nöbl

31. März 2015

Letzte Aktualisierung ( Montag, 12. Februar 2018 )