Kommentar zu Weihnachten
Geschrieben von IM Matthias Fink   

Liebe Imkerinnen und Imker ! 

Wir alle kennen das, da gibt es erfahrene Imkerkollegen die ihr Leben lang mit Bienen gearbeitet haben und nun resignierend den Smoker beiseite stellen um die Imkerei an den Nagel zu hängen. Nicht weil sie zu  alt geworden sind, sondern weil Ihnen das Imkern in mehrfacher Hinsicht zu aufwendig geworden ist.

Auf der anderen Seite erleben wir genau das Gegenteil, ein regelrechter „Run „ auf die Imkerei hat eingesetzt. Noch nie war der Zulauf und das Interesse so groß wie in den letzten Jahren. Die Bedeutung der Bienen und die Wichtigkeit ihres Schutzes ist sehr vielen bewusst geworden. Über weite Strecken wurde die  Diskussion der vergangenen Jahre oft sehr emotional geführt. Diese hat in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für Biene und Umwelt geschärft. Manche Medien vermitteln jedoch den Eindruck, wie einfach doch Imkern eigentlich ist, vor allem ist dazu auch der Absatz von Honig eine Sache um die sich ein Imker auf Grund der immensen Nachfrage nach heimischem Honig ja überhaupt nicht zu sorgen braucht. Jeder kann an jedem Ort  Bienenvölker aufstellen, diese sogar auch noch vermieten, ja die besten Plätze scheinen dazu noch die Dächer in den Städten zu sein, weil draußen auf dem Land die Bauern ohnehin bereits alles vergiftet haben.  Man braucht dazu nur einen Kurs besuchen, ein bisserl Ausrüstung und schon stürzt man sich  ins Abenteuer Natur pur.

Diese Aufhänger bedürfen natürlich einer gewissen Richtigstellung. Grundsätzlich möchte ich diesen positiven Trend zur Imkerei ja begrüßen, sehr sogar, aber wir Älteren welche die Bienenhaltung noch vor dem Einfall der Varroamilbe  erlebt haben, können die neuzeitliche Einstellung relativieren. Wir wissen aus eigenen Erfahrungen, dass die Imkerei noch niemals mit einem so großen Einsatz wie heute betrieben werden musste. Sei es auf Grund des wesentlich erhöhten notwendigen Fachwissens, des körperlichen oder auch des finanziellen Einsatzes. Auch den Zeitaufwand unterschätzt mancher Neueinsteiger allzu oft. Der Parasit hat uns die Imkerei regelrecht auf den Kopf gestellt, trotz heute vieler Möglichkeiten einer regulären, legalen  Bekämpfung in der Milbenregulation haben wir eigentlich keine wirklich großen Fortschritte gemacht.

Eine Ausrottung des Parasiten ist nach wie vor aussichtlos, ja sogar in der Wahl der Mittel und Methoden stoßen wir an Grenzen die uns zwar das Imkern ermöglichen, aber um den Preis einer ganzjährigen Betreuung der Bienen, ein enormer Zeitaufwand fordert den ganzen Imker bzw. Imkerin. Bienenhaltung bedeutet heute Tierhaltung mit durchgehend ganzjährigen Pflegemaßnahmen, selbst im Winter.

Viele, auch Politiker, reden davon, wie wichtig die Bienenhaltung für Natur und Umwelt ist. Die nützlichen Insekten sind ja auch unsere ersten Umweltanzeiger. Niemand spricht aber davon wie aufwendig die Imkerei heute betrieben werden muss um erfolgreich überleben zu können. Wir Imker kämpfen mit  Völkerverlusten und Missernten, wir kämpfen mit der Klimaerwärmung und der Umwelt. Dazu kommt das Dauerthema Varroamilben in Verbindung mit  Viruserkrankungen. Wir kämpfen mit Blütenmangel in den ausgeräumten Landschaften und damit verbunden Vitalitätsverlust bei Bienen und Königinnen. Das schöne Hobby macht uns mittlerweile zu großen Idealisten, denn Geld kann man sich heute woanders leichter verdienen.

Ein Dank gilt den Landwirten die uns, wohlwissend um die Wichtigkeit, unsere Bienenvölker aufstellen lassen. Solange man diesen Dienst mit Honig abgelten kann, ist das eine positive Sache im Dienste der Umwelt. Als Imker sind wir Teil der Landwirtschaft. Unsere Arbeit und die Leistung unserer Bienen sind unmittelbar von den Auswirkungen der landwirtschaftlichen Kultur abhängig. Oft sind aber Voraussetzungen und Ziele ganz unterschiedlich. Hier ist ein gegenseitig aufeinander zugehen notwendig. Solange wir alle nicht bereit sind, mehr Geld für landwirtschaftliche Produkte zu zahlen, bin ich der Meinung, wird der Zwang zu immer größeren Produktionsflächen und damit weiterer Rationalisierung in der Landwirtschaft nicht aufhören. Gesellschaftskritisch könnte man sagen, die konsumverwöhnte Wohlstandsgesellschaft erzieht Egoisten, denen der Weitblick schon lange fehlt. Lebensmittel wachsen nicht im Supermarkt. Gerade in dieser Hinsicht hat das Bienensterben viele aufgerüttelt, die Aufmerksamkeit auf blühende Pflanzen gelenkt. 

In dieser Hinsicht wäre es auch eine Gelegenheit für unsere Bauern, das positive Image der Landwirtschaft zu verstärken, für heimische Produkte aus heimischer Landwirtschaft, in Verbindung mit der Imkerei im Lande. Bienenprodukte ergänzen hervorragend die Palette der bäuerlichen Erzeuger, sie haben bewiesenermaßen auch Heileffekte für den menschlichen Organismus. Imkerei und landwirtschaftlicher Pflanzenbau haben auch viele Gemeinsamkeiten. Vor allem machen uns die fehlenden Winter zunehmend Probleme. Rücksichtnahme in gegenseitiger Partnerschaft halte ich daher für sehr wichtig.

 Vielleicht  kann der positive Trend in die Imkerei erhalten bleiben und damit verhindert werden, dass auch Neueinsteiger in die Imkerei nach kurzer Zeit frustriert wieder das Handtuch werfen.

                               Alles  Gute für 2017

IM Matthias Fink

hellbrunn kugeln.jpg

 

Die Honigbiene, eines der wichtigsten Wunder der Erde, schwebt in höchster Gefahr. Das fleißigste Nutztier verschwindet langsam. Es ist ein mysteriöses Sterben, das weltweit mit Sorge beobachtet wird. 

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 22. November 2016 )