Nektarhefe oder Kreuzhefe
Geschrieben von IM Matthias Fink   

Bestäubungstätigkeit – Die Kreuzhefe oder Nektarhefe

Daß die Bestäubung der heimischen Blütenflora die naturgewollte Aufgabe unserer Bienen ist, sollte hinlänglich bekannt sein. Diese Tätigkeit, beeinflusst zum gegenseitigen Nutzen von Pflanzen und Insekten, bezeichnet man schlechthin als Lebensgemeinschaft oder Symbiose. Daraus ergibt sich, wie ich schon in der Schule gelernt habe:  Phänotyp = Genotyp + Umwelteinflüsse. An dieser alten Biologenweisheit gibt es grundsätzlich nichts zu rütteln. Bienen besitzen aber zudem noch die Fähigkeit auf den Faktor Umwelteinflüsse selbst großen Einfluß auszuüben. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, können Honigbienen allein durch den Temperaturverlauf während der Metamorphose, ihre Geschwister selbst nach Bedarf stark beeinflussen. Bei einer gewissen Anzahl an Nachkommen wird in dieser Phase der Umwandlung (Puppenstadium) die Temperatur auf 36°C gesteigert (normal 35-35,5°C). Man hat festgestellt, dass dadurch nicht nur langlebige Bienen (auch die Winterbienen werden bei höheren Temperaturen 36° erbrütet) entstehen, sondern auch mehr lernfähige Honigbienen. Es wurde bewiesen, dass ein Bienenvolk die Anzahl dieser langlebigen und damit auch intelligenten Artgenossen sich je nach Volksstärke selbst erziehen kann. Damit können Bienen direkten Einfluß auf die teilweise selbst geschaffene Umwelt  nehmen (Jürgen Tautz). 

 Dabei spielt auch eine Komponente mit, von der man nur äußerst selten zu hören bekommt. Ich habe selbst 3 Jahre die Landwirtschaftsschule in Kleßheim besucht, aber - von einer „Kreuzhefe“ (Anthomyces reukaufii) hat keiner meiner Lehrer je etwas gehört.

Die Kreuzhefe ist eine Pflanzenhefe die sich in den Nektarien der Blütenpflanzen vermehrt. Durch die Bestäubungstätigkeit erfolgt die Verbreitung, vorrangig durch Honigbienen, nur zu etwa 20% sind daran auch Hummeln und Wildbienen beteiligt.

Diese Kreuzhefen vermehren sich in den Nektardrüsen der Pflanzen und leben von Nektar und Pollen. Die Bedeutung dieses Kleinlebewesens (Kreuzhefepilz) wird, soweit überhaupt bekannt, weit unterschätzt. Blütenpflanzen sind die Wiege des Kreuzhefepilzes. Vor der Bestäubung durch Bienen sind diese steril. Erst durch die Bestäubung gelangen eine Mutterzelle und drei Tochterzellen in kreuzförmiger Sprossung, eine sogenannte kreuzförmige Tedrade, in das Nektarium der Pflanze. Durch das Wachstum bilden sich Kolonien die in Folge wieder durch das Sammeln von Nektar der Bienen von diesen verbreitet werden. Dieser Kreuzhefepilz spielt in der Ernährung der Wiederkäuer eine große Rolle. Er wird im Pansen der Wiederkäuer benötigt, zum Abbau von nichteiweißartigen Stickstoffverbindungen. Erst dadurch wird das Panseneiweiß vollwertig und erfüllt alle Funktionen für das Leben des Tieres. Vor allem ist es unverzichtbar für die Fortpflanzung (Brunft), das Haarwachstum und Körperwachstum. Auch auf die Milchleistung bei Kühen besteht ein Einfluß. Die Hefe wird aber nicht mehr ausgeschieden, geschweige denn, dass sie sich in der Pansenflora vermehren kann, sondern sie wird regelrecht verbraucht. Das gesundheitsfördernde Zusammenspiel der Hefepilze im Pansen hat direkten Einfluss auf Appetit, Gesundheit und Trächtigkeit von Wiederkäuern (Wildtieren). Die Güte einer Weide muß man demnach beurteilen nach der Vielfalt des Blütenpflanzenbestandes, damit einem hohen Anteil an Blüten mit Kreuzhefe und natürlich nach dem Bienenstand in der Umgebung zur Verbreitung dieser Nektarhefe. Zudem wissen wir heute nach neuesten Forschungsergebnissen, dass Bienen zur Erhaltung ihres Nestklimas ganz gezielt Bakterien, Pilze, ätherische Öle und Hefen mit bestimmten Pollen eintragen. Dies scheint für den Gesundheitszustand eines Bienenvolkes wichtig zu sein. Man sollte darüber nachdenken, meine ich.

Zwangsläufig ergibt sich die Frage:  Wo lebt dieser Pilz nach dem Verblühen der Blütenflora, wie überlebt er im Winter?  

Der Kreuzhefepilz kann nur in Verbindung mit Nektar leben. Der Pilz vermehrt sich nicht im Pansen, kann auch nicht in Heu oder Silage gefunden werden, da er ohne Blütenstaub abstirbt. Die Bienen verteilen beim Nektar sammeln die Kreuzhefe von Pflanze zu Pflanze. Da aber immer auch Hefesporen an Haaren und Rüssel der Bienen kleben, bringen die Bienen die Nektarhefe heim ins Volk. Die Kreuzhefe hat auch auf die Verdauung der Bienen selbst einen positiven Einfluß, indem sie die Wirkung der Rektaldrüsen in der Kotblase unterstützt. Sogar die Temperatur im Bienenvolk ist für die Hefe günstig. Die Pflanzenhefe hält sich im Volk in den Pollen und Honigvorräten steril eingelagert, sie überdauert so unbeschadet die Winterzeit im Bienenvolk und wird bei den ersten Ausflügen im Frühjahr wieder von Honigbienen verbreitet. Damit schließt sich der Kreis, alles beginnt von Neuem.

In der modernen Landwirtschaft werden heute die Umwandlungs- bzw. Abbauprodukte welche diese Hefe auslöst, durch chemische Substanzen dem Futter beigemischt. Sogenannte Futtermittel -Ergänzer oder gar Medikamente kommen dabei zum Einsatz. Der Bienenstand des Imkers in der Nähe wäre dazu die billigste und sicherste Alternative. Wahrscheinlich müssen unsere Bienen noch viel weniger werden, damit man den Wert für Natur und Umwelt einmal richtig erkennt. Wir Imker jedenfalls wissen Bescheid. Mit Hilfe anerkannter Wissenschaftler wird es gelingen, davon bin ich überzeugt, eines Tages den erstaunlichen Erkenntnissen rund um unsere Bienen auch in dieser Angelegenheit den nötigen Respekt zu verschaffen. 

Auszug: Meisterarbeit für Imkerei, Matthias Fink, 5221 Lochen, März 2007

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 1. März 2017 )