Kommentar
Geschrieben von IM Matthias Fink   
Liebe Imkerinnen und Imker!

Das Jahr 2017 hatte es ja wieder einmal in sich, betreffend die Bienenhalter und Imker. Nach großen Völkerverlusten während und nach der Auswinterung, haben wir in Salzburg trotzdem ein sehr gutes Betriebsergebnis einfahren können, die Honiglager sind wieder gefüllt. Rückwirkend betrachtet wollen wir aber auch Lehren aus der vergangenen Situation ziehen.

Wer sich in der Bienenhaltung in Sachen Varroabekämpfung an ein integriertes Konzept, das ganzjährig im Hinterkopf mitarbeitet hält,  sollte eigentlich keine zu großen Probleme mit der Milbe haben. Dennoch: es gibt unerklärliche Rückschläge die auch den besten Imker unerwartet treffen können, wie dies sicher bei manchen in diesem Frühjahr 2017 eingetreten ist. Viele der verlorenen  Bienenvölker waren noch bis zur Winterbehandlung schön entwickelt, kurze Zeit später aber in sich zusammengefallen oder abgeflogen. Wieder einmal waren es die sekundären Viruserkrankungen die manches Volk zu Fall brachten und den Imker/In vor ein scheinbar unlösbares Rätsel stellten. Da beginnt man an seinem Behandlungskonzept zu zweifeln, aber es waren in den allermeisten Fällen, bin ich überzeugt, nicht die Produkte die zu wenig gewirkt haben. Vielmehr ist wieder durch den zu milden Winter 2015/16 eine zu schnelle Entwicklung der Milben unbemerkt vor sich gegangen, die in Folge dann 2016 eine weite Verbreitung der Viren nach sich zog. Die Auswirkungen sahen wir im März 2017 in Gestalt leerer Bienenkisten oder toter Bienenvölker. Wie bereits Prof. Bienefeld in seinen Versuchen „Smart Bees", ein Forschungsprogramm der EU, herausgefunden hat, zeigt sich, dass die Milbe durch die Übertragung des Virus beim Saugakt einen leichteren Zugang zur Hämolymphe der Bienen findet, also ein gegenseitiger Nutzen von Milben und Viren auf Kosten der Biene.

„Die Zukunft in der Milbenbekämpfung kann also nur heißen", so Prof. Bienefeld,  „auf Grund dieser Untersuchungen  irgendwann einen Bienentypus zu finden der auf Grund seines VSH Verhaltens von selbst in der Lage ist die Milbe auf Niveau zu halten. Diese Erkenntnis wird alle Zuchtbemühungen auf eine harte Probe stellen, denn Farbe, Haare oder Flügelindex werden dabei keine, oder nur mehr eine untergeordnete  Rolle spielen. Es kann jede Landbiene der Mellifera in Frage kommen, egal wie sie aussieht, Hauptsache sie besitzt dieses Merkmal in einer ausgeprägten und vererbbaren Form". Die Widerstandskraft der Bienen gegen Bienenviren schwankt erstaunlich stark, wissen wir mittlerweile, teilweise von Stand zu Stand, sie ist aber sicher auch vom Ernährungszustand der Bienen stark abhängig wie uns der Winter 2016/17 beweist. Die Standorte wo es zuvor Trachtverhältnisse gegeben hat waren eindeutig besser gestellt, wie die Lage in den Gebirgsgauen Salzburgs beweist. Wenn wir nicht in der Lage sind den Bienen blühende Landschaften zu bieten, Nektar und Pollen, werden sie auf Dauer, trotz unserer Hilfe, nicht überleben, denn die Milbe auszurotten ist eine Vision die sich nicht erfüllen wird.

Dieser Weg wird noch ein weiter sein, aber auch meiner Meinung nach in die Zukunft gesehen der einzig richtige.

Ja, weil eine genetische Anpassung nachhaltiger ist als der ständige Versuch die Probleme der Bienenhaltung rein betriebstechnisch zu lösen. Als Beispiel sei hier die Schwarmverhinderung erwähnt.

Der Zustand des Varroabefalls ist unter anderem auch ein Ergebnis des Kampfes der Bienen um eine optimale Brutnesttemperatur in der zurückliegenden Brutsaison, z.B. verregneter Sommer 2016. Die Tatsache, dass relativ wenige Zellen von vielen Bienen im Herbst gepflegt werden, scheint für die Entstehung von Winterbienen ein wesentlicher Faktor zu sein. Umgekehrt pflegen im zeitigen Frühjahr relativ wenige Bienen ein schnell größer werdendes Brutnest/Brutzellen. Eine nicht optimale Brutnesttemperatur fördert die Entwicklung der Milbe, wir brauchen daher stark überwinternde Bienenvölker.

Was wir Imker in den nächsten Jahren von der Wissenschaft erwarten können ist der wahrscheinlich sehr langsame, schrittweise Ersatz der Milbenbekämpfungsmittel durch natürliche Therapien sprich: Methoden die bienentechnisch die Möglichkeit bieten (Königin sperren) die Milbe besser mit den herkömmlichen Medikamenten erfolgreich zu greifen. Was wir nicht erwarten dürfen ist ein Wundermittel das uns die Milbe ausrottet, davon sind wir Jahrzehnte entfernt. Noch immer träumen viele Imker davon. Man sieht es am großen Interesse an neuen, vielversprechenden Geräten oder  Medikamenten, wo teilweise viel Geld ausgegeben, oder je nachdem von welcher Seite betrachtet, verdient wird. Unser Konzept mit Bienenwohl und Api Life VAR in Verbindung mit bienentechnischen Maßnahmen ist bekannt und bewährt sich nunmehr seit fast zwanzig Jahren. Ich will hier nicht näher darauf eingehen. 

Im Wesentlichen sehe ich aber den Erfolg der Imkerei im Resultat von Wetter, Standortbedingungen und imkerlichem Können, darin eingeschlossen die Bekämpfung der Milbe.

Wir wollen mit der Bienenhaltung, sprich Imkerei, wertvolle Produkte erzeugen und natürlich auch notwendigerweise  Geld verdienen, aber nicht Bienen züchten um damit Geld zu verdienen, wenngleich sich einzelne darauf spezialisiert haben, aber das ist nicht Imkerei. Dieser feine Unterschied muß grundlegend betont werden, denn er ist die Grundlage und das Verständnis dafür, wie man in der Imkerei Profit machen kann oder muß. Dies erfordert Fachwissen, finanziellen Einsatz in notwendige Investitionen mit verbundenem Geschäftssinn und körperlichen Einsatz, sprich Arbeit. Viele junge Berufsimker der letzten Jahrzehnte sind mit einer falschen Philosophie Opfer ihres Berufes geworden.

Die gute Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft halte ich diesbezüglich für die Existenzfrage in der Imkerei schlechthin. Da wird mit Recht auch viel Kritik geübt an manchen Praktiken die in Feld- Wiesen- und Waldkulturen einen Stand erreicht haben mit dem wir Imker uns oft schwer tun, für alles Verständnis aufzubringen. Aber grundsätzlich haben wir, speziell im alpinen Gebiet, noch immer Möglichkeiten und verständnisvolle Grundbesitzer genug um unsere Bienenvölker artgerecht aufzustellen.

Unsere Gesellschaft hat sich nun mal für diese Form der Landwirtschaft entschieden die wir heute erleben. Verlust und Schädigung der bestäubenden Insekten aber auch vieler anderer Lebewesen in diesem Komplex, sind der Preis den wir alle dafür bezahlen. Nicht die Landwirte sind daran schuld, auch sie stehen mit dem Rücken zur Wand, es ist ausschließlich und allein unsere Wohlstandsgesellschaft und eine ganze Reihe cleverer Handelsketten die an unserem Egoismus gut verdienen. Der verwöhnte „homo sapiens" stellt sich selbst in den Mittelpunkt, nicht mehr das Ganze. So hält sich unsere Vernunft immer wenn es ums Geld geht in engen Grenzen.

Die „Freizeit und Spaßgesellschaft" will heute Grenzen schlechthin nicht mehr akzeptieren, die Achtung vor dem Eigentum geht zunehmend verloren. Dieser Freiheitswahn zerstört mittlerweile vieles mit dem Argument die Natur gehört uns allen, mit Bär und Wolf!

Der Satz: „Der Tourismus zerstört das was er sucht, indem er es findet" ist zu einem Faktum geworden. Auch wir Imker sind davon betroffen, nicht überall sind Bienen gerne gesehen, trotz des gewaltigen Booms den wir in der Imkerei seit Jahren erleben. Sehr gerne gesehen sind aber nach wie vor Produkte die wir mit unseren  Bienen gewinnen, hier können wir in der Öffentlichkeit punkten, auf die naturgewollte Bestäubung hinweisen und die gesundheitlichen Werte von Honig, Pollen, Propolis und Bienenwachs darstellen. In Salzburg haben wir 2017 als ein ganz hervorragendes Bienenjahr erleben dürfen. Dazu brauchen wir Märkte und Veranstaltungen in der Öffentlichkeit, aber vor allem geschulte Fachkräfte welche in der Lage sind ausreichend Auskunft geben zu können. Dabei vertritt jeder von uns die Imkerei in seiner Region.

„Ein Bienenvolk ist ein Wunderwerk sozialer Ordnung, jedes einzelne Individuum ein Kunstwerk der Evolution" eine hinreißende Aussage meine ich. Wünsche Euch und uns allen, dass wir mit diesen großartigen kleinen Tieren noch sehr lange zusammenarbeiten dürfen.

Wünsche Erfolg, Freude und Gesundheit bei und mit den Bienen für 2018

                      IM Matthias Fink

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 21. Januar 2019 )